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Winterfeuer

Die Saatkrähe - Von Angesicht zu Angesicht

5/9/2026

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Saatkrähen sind Begleiter und Weggefährten, die darüber zu erzählen wissen, wie wichtig es ist, zusammenzuarbeiten und Gemeinschaften und Freundschaften aufzubauen, ohne seine Einzigartigkeit und die eigene Authentizität, das eigene wahre Selbst, zu verlieren.

​Saatkrähen bleiben ein Lebenlang zusammen und dienen einander als Spiegel. Sie fordern sich gegenseitig immer wieder dazu heraus, tief in die eigene Seele zu blicken, zu sehen, wer sie wahrhaftig sind und die alten Masken fallen zu lassen. 
 
Wenn Saatkrähen erwachsen werden, fallen die weißen Federn, die ihre Schnäbel bedeckt haben, eine nach der anderen und lassen ihre Schnäbel bar und unbedeckt zurück. Während die Saatkrähen in den Spiegel des anderen blicken, fühlen und erfahren sie, dass eine Wahrheit, die aus dem Herzen, ehrlich und mit der Absicht zu heilen gesprochen worden ist, keine Maske braucht, die das wahre Gesicht des Sprechers verbirgt. 
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"White Rook", white crayons & pastels, Kristin Raphaela Otti (2024, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
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"Curious White Rook", white crayons & pastels, Kristin Raphaela Otti (2025, Carinthia)
Während die Saatkrähen in den Spiegel des anderen blicken, fühlen und erfahren sie, dass eine Wahrheit, die aus dem Herzen, ehrlich und mit der Absicht zu heilen gesprochen worden ist, keine Maske braucht, die das wahre Gesicht des Sprechers verbirgt. 
Saatkrähen dienen als Wächter an den Toren, ihre Augen sehen durch jedweden Trug und jedwede Illusion. Sie erinnern sich and das wahre Gesicht jeder Seele und rufen es aus, wenn sie jene erblicken, die sich hinter Masken verbergen, während sie dem Hüter des Tores gegenüberstehen. 
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Der Kasuar - Individualität & Mentoren

5/7/2026

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Die genialsten Lehrer und Mentoren in meinem Leben waren - und sind! - jene, die mich immer wieder gefordert haben, aus meiner Komfortzone gelockt, mich in die hungrigen Augen jener Gedanken haben blicken lassen, mit denen ich mich selbst eingeschränkt und eingesperrt habe. 
Jeder einzelne von ihnen hat Liebe und Geduld als seine Lehrmittel genutzt. Sie waren streng, aber niemals ungerecht, und was sie selbst auf ihrem Lebensweg erfahren und erlebt hatten, gaben sie als Weisheit weiter und missbrauchten ihr Wissen niemals, um dieselben Wunden in den ihnen anvertrauten Schülern aufzureißen und zum Schwären zu bringen.
Die, die über mich gewacht haben, während ich meinem eigenen Verstand beigebracht habe, dass mir alle Wege offenstehen und meine Möglichkeiten und Fähigkeiten keine Grenzen kennen. Die, die am anderen Ufer des allesverschlingenden Gedankenstroms auf mich gewartet haben, den zu überqueren ich nicht für möglich gehalten hätte. 
 
Das waren die Lehrer, für die es vollkommen in Ordnung war, dass ich meinen eigenen Weg habe finden wollen, nicht dem ihren gefolgt bin, die den Funken, der in mir brennt, genährt haben, nicht versucht haben, mich kleiner zu machen oder mein Feuer zu ersticken. 

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“Individuality”, black pastels, Kristin Raphaela Otti (2026, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
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“White Cassowary”, white pastels, Kristin Raphaela Otti (2024, Cafe Eiles & Café de L’Europe, Vienna)
Jeder einzelne von ihnen hat Liebe und Geduld als seine Lehrmittel genutzt. Sie waren streng, aber niemals ungerecht, und was sie selbst auf ihrem Lebensweg erfahren und erlebt hatten, gaben sie als Weisheit weiter und missbrauchten ihr Wissen niemals, um dieselben Wunden in den ihnen anvertrauten Schülern aufzureißen und zum Schwären zu bringen.
 
Der Kasuar ist ein solcher Mentor und Begleiter. Während das Weibchen seine Eier nach dem Legen zurücklässt, bleibt das Männchen, um sie zu beschützen. Es ist das Männchen, dass die Küken behütet und ihnen dabei nicht ihre Einzigartigkeit und Individualität zu nehmen versucht. Es lässt seine Jungen herumwandern und erkunden, weist sie nicht scharf zurecht, sondern beobachtet und wacht über sie. Droht eine Gefahr, auf die das Junge noch nicht vorbereitet ist, beschützt und verteidigt der Kasuar seine Küken erbittert, sollte es notwendig sein. 
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Die Kaffeezeremonie - Den Sturm zur Ruhe bringen

5/7/2026

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Es gibt viele Gründe, warum ich es liebe, Freunde und jene, die ich begleite, in Kaffeehäusern zu treffen. Früher gab es nicht nur Teezeremonien, sondern man zelebrierte auch Kaffeezeremonien. Wir sind mittlerweile so an Kaffeemaschinen und die schnelle Tasse Kaffee gewöhnt, dass wir sie vergessen haben. 
Während der Kaffeezeremonien ehren wir zuerst das Geschenk, das uns die Kaffeepflanze gegeben hat. Das bewusste Mahlen der Kaffeebohnen, zu fühlen, wie die Muskeln im Körper arbeiten, das Anspannen und das Loslassen, den Kopf auf die Zeremonie und Aufgabe im Hier und Jetzt zu fokussieren und dann ins Herz zu gehen, während wir den Geruch der frischgemahlenen Kaffeebohnen genießen, erdet und hilft, im Augenblick zu sein und den Moment zu fühlen. 
In Gegenden, in denen Kaffeepflanzen beheimatet sind, hielten Schamanen Kaffeezeremonien zusammen mit jenen, die zu ihnen gekommen waren, um um Rat, Heilung oder Führung beim Finden oder Erträumen eines neuen Weges zu bitten.

​Kaffee war dabei ein großartiger Lehrer, wenn es darum ging, Geduld zu erlernen und zu erleben. Anstatt die Unterhaltung und das Gespräch zu beschleunigen und den Verstand wie ein verschrecktes Pferd durchgehen zu lassen, half er dabei, das Herz zu beruhigen und zu besänftigen.   
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Das ist der Kaffeemörser, den ich für Zeremonien verwende. Während ich noch in Wien gelebt und unterrichtet habe, schenkte ihn mir ein Freund. Er ist aus Gusseisen, schwer und man muss beide Hände bewusst verwenden, wenn man die Kaffeebohnen auf eine gute Art und Weise mahlen möchte. Es braucht eine Weile.
Der Kaffee wurde nicht mit Hilfe einer Maschine gekocht, durch die das Wasser mit der Geschwindigkeit eines Geparden gejagt worden war, sondern indem zuerst die Kaffeebohnen geehrt und der Kaffeepflanze für ihr Geschenk gedankt wurde. 
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Dann mahlte der Schamane die Kaffeebohnen zu einem feinen Pulver, gab das frische Kaffeepulver in ein Zeremoniengefäß und goss es mit kochendem Wasser auf. ​

Das kochende Wasser wirbelte das Kaffeepulver auf, ähnlich wie Gefühle und Emotionen bisweilen unseren Verstand und unser Herz durcheinanderwirbeln.

Anstatt den Kaffee einfach trinken und ihn ohne ihm noch einmal Aufmerksamkeit zu schenken hinunterschlucken, musste man warten, bis sich der Kaffeesatz wieder auf dem Boden des Gefäßes abgesetzt hatte und zur Ruhe gekommen war – außer natürlich, wenn man das Kaffeepulver mitverzehren wollte.

​Nach jedem Schluck stellte man seine Tasse ab, wartete, bis der Kaffeesatz abgesunken war und dann genoss man einen weiteren Schluck.
 
Kaffee lehrt Geduld und schafft den Raum, zuzuhören und sich zu unterhalten, während man ihn genießt. 
 
Während der Kaffeezeremonien ehren wir zuerst das Geschenk, das uns die Kaffeepflanze gegeben hat. Das bewusste Mahlen der Kaffeebohnen, zu fühlen, wie die Muskeln im Körper arbeiten, das Anspannen und das Loslassen, den Kopf auf die Zeremonie und Aufgabe im Hier und Jetzt zu fokussieren und dann ins Herz zu gehen, während wir den Geruch der frischgemahlenen Kaffeebohnen genießen, erdet und hilft, im Augenblick zu sein und den Moment zu fühlen. 

(geschrieben 2024, übersetzt 2026)
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Die Weisheit des Dachses

5/5/2026

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Der Dachs ist ein Mentor und Begleiter, der über das In-sich-gehen und Sich-selbst-entdecken zu erzählen weiß. Er gräbt tief in die Erde hinein, erforscht die Tiefen der Seele und der Herzen und bringt Verborgenes ans Licht. 
„Laufe nicht vor deinen Gefühlen davon, geh in die Tiefe, grabe hinunter und folge dem Wurzelsystem, das du findest, bis zu dem Samen, aus dem die Ursache für deine Emotionen erwachsen ist. Während du in die Tiefen reist, kümmere dich um die Wurzeln, die du findest, heile oder trenne jene ab, die verfault sind. Fühle, spüre und erlebe deine Emotionen in vollem Umfang. Setz dich am Rande des Gefühlssturmes hin, in seiner Mitte, atme in seinem Auge durch und spüre den ersten Sonnenstrahl auf deinem Gesicht, während sich die Sturmwolken auflösen. Ein Sturm muss bis zum Ende wüten, damit etwas Altes gehen und etwas Neues beginnen kann.“
Dachse sind furchtlos und kein Wesen, mit dem man sich anlegen sollte. Wenn ein anderes Raubtier in ihr Gebiet eindringt und Grenzen überschreitet, verteidigt der Dachs sich ohne Gnade. Er kennt die Bedeutung der Wörter „aufgeben“ oder „zurückweichen“ nicht. 
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"Ancestral Badger", pastels & crayons representing the colours of the Northern Lights, Kristin Raphaela Otti (2026, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
Der Dachs ist ein grimmiger Freund, der bereit ist, mit einem durch die schlimmsten Stürme zu wandern und einem Raum und Halt zu geben, wenn es darum geht, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen und in vollem Umfang durchzufühlen.

​Der Dachs bleibt an der Seite jener, die er in die Tiefen begleitet, während sie nach der Wurzel und dem Grund für den Gefühlssturm suchen, und schützt sie, während sie ihren Empfindungen Ausdruck verleihen und die Samenkörner betrachten, aus denen die Emotionen erwachsen sind. Der Dachs hat aber auch keine Scheu davor, sich einem Freund entgegenzustellen und mit offenem Herzen auszusprechen, was zu sagen ist. 

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“Shadow Honey Badger”, black crayons & pastels, Kristin Raphaela Otti (2026, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
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“White Badger Cub”, white pastels & crayons, Kristin Raphaela Otti (2025, Marco Polo Eiscafé, Wolfsberg, Carinthia)
Dachse sind unterirdisch lebende Tiere, die es gewohnt sind, sowohl über als auch unter der Erde zu graben. Sie sind geborene Architekten, deren geräumige und weitläufige Behausungen über Generationen hinweg gegraben, erhalten und erweitert werden. Wenn sie sich durch ihren Bau bewegen, verlassen sie sich auf ihren Gehör- und Geruchsinn, da sie schlecht sehen. Selten bringen sie Beute oder Futter mit in ihre Behausungen, da sie einen sauberen Bau bevorzugen. Sie tolerieren es aber, wenn andere Tiere wie Füchse, mit denen sie die äußeren Bereiche ihrer Bauten teilen, es tun.  

​Als Allesfresser gehen sie instinktiv an die Futtersuche heran und lehren uns, auf unsere Körper und unsere Intuition zu hören, wenn wir darüber entscheiden, was wir zu uns nehmen oder konsumieren – sei es Essen oder die Worte und Meinungen anderer. 
 
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White Badger Smiling”, white pastels & crayons, Kristin Raphaela Otti (2025, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
Sie laden uns ein, in die Tiefe zu gehen und einen Blick unter die Oberfläche zu werfen, sei es, wenn es um uns selbst, unser Gegenüber oder Geschehnisse geht, die Gefühle und Emotionen aufwirbeln.

​Der Dachs spricht: „Laufe nicht vor deinen Gefühlen davon, geh in die Tiefe, grabe hinunter und folge dem Wurzelsystem, das du findest, bis zu dem Samen, aus dem die Ursache für deine Emotionen erwachsen ist. Während du in die Tiefen reist, kümmere dich um die Wurzeln, die du findest, heile oder trenne jene ab, die verfault sind. Fühle, spüre und erlebe deine Emotionen in vollem Umfang. Setz dich am Rande des Gefühlssturmes hin, in seiner Mitte, atme in seinem Auge durch und spüre den ersten Sonnenstrahl auf deinem Gesicht, während sich die Sturmwolken auflösen. Ein Sturm muss bis zum Ende wüten, damit etwas Altes gehen und etwas Neues beginnen kann.“
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Der Dachs - Durch den Sturm hindurch

5/4/2026

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Dachse laden uns ein, in die Tiefe zu gehen und einen Blick unter die Oberfläche zu werfen, sei es, wenn es um uns selbst, unser Gegenüber oder Geschehnisse geht, die Gefühle und Emotionen aufwirbeln.

​Der Dachs spricht: „Laufe nicht vor deinen Gefühlen davon, geh in die Tiefe, grabe hinunter und folge dem Wurzelsystem, das du findest, bis zu dem Samen, aus dem die Ursache für deine Emotionen erwachsen ist. Während du in die Tiefen reist, kümmere dich um die Wurzeln, die du findest, heile sie oder trenne jene ab, die verfault sind. Fühle, spüre und erlebe deine Emotionen in vollem Umfang. Setz dich am Rande des Gefühlssturmes hin, in seiner Mitte, atme in seinem Auge durch und spüre den ersten Sonnenstrahl auf deinem Gesicht, während sich die Sturmwolken auflösen. Ein Sturm muss bis zum Ende wüten, damit etwas Altes gehen und etwas Neues beginnen kann.“
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“White American Badger”, white pastels & crayons, Kristin Raphaela Otti (2026, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
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“White American Badger”, white pastels & crayons, Kristin Raphaela Otti (2026, Hotel, Café & Konditorei Hecher, Wolfsberg, Carinthia)
Der Dachs ist ein Mentor und Begleiter, der über das In-sich-gehen und Sich-selbst-entdecken zu erzählen weiß. Er gräbt tief in die Erde hinein, erforscht die Tiefen der Seele und der Herzen und bringt Verborgenes ans Licht. Dachse sind furchtlos und kein Wesen, mit dem man sich anlegen sollte. Wenn ein anderes Raubtier in ihr Gebiet eindringt und Grenzen überschreitet, verteidigt der Dachs sich ohne Gnade. Er kennt die Bedeutung der Wörter „aufgeben“ oder „zurückweichen“ nicht. 
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Die Weisheit des Schwans

7/1/2025

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Schwäne sind die Hüter der Tore und Pforten, sie lehren über unsere Rolle als Hüter und Bewahrer von Mutter Erde, des Sternenmeeres und unserer Selbst. Sie erzählen die Geschichte ihres eigenen Wandels und ihrer Verwandlung, so wie es H. C. Andersen in seinem Märchen vom hässlichen Entlein getan hat. 
​
Der Schwan gleitet sanft über den Ozean der Gefühle. Er spricht: „Sei sanft und einfühlsam, wenn du tief in dein Inneres dringst oder andere Seelen berührst. Atme Ruhe tief in dein Herz hinein. Stille Wasser spiegeln deine Schönheit wieder, das Licht in deinem Herzen. Eine aufgewühlte, zornige See wirft tiefe Schatten und verschlingt deine Welt.“

​Schwäne wissen nicht um ihre eigene Schönheit, sie sind einfach sie selbst. Als Küken tragen sie braune und schwarze Federn, verschmelzen mit den Schatten und ihrer Umgebung. Ihre Schönheit strahlt von innen, aber ihre Umgebung ist blind dafür. In Hans Christian Andersens Märchen wird ein Schwanenküken von einer Entenfamilie aufgenommen. Es wird belächelt und seine Geschwister machen sich über es lustig, weil es nicht wie sie aussieht. 

​Das Schwanenküken bleibt sich selbst treu und verwandelt sich nach und nach in einen wunderschönen erwachsenen Schwan, der jene, die über es gelacht haben nicht lächerlich macht oder ihnen dieselben Wunden schlägt. Nein, das Küken, das von anderen verletzt worden war, wird zu einem Symbol der Hoffnung und Widerstandsfähigkeit, das andere mit bedingungsloser Liebe umarmt. 

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"Shadow Swan", black pastels, Kristin Raphaela Otti (2024, Café de L'Europe, Vienna)
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"Rebirth", white pastels, Kristin Raphaela Otti (2024, Carinthia)
Der Schwan hört allen Geschichtenerzählern zu, denn es gibt keine Geschichte, die man nicht erzählen kann.

Unsere Schatten sind nichts, vor dem wir Angst haben müssen. Sie wollen gesehen, anerkannt, geehrt und geliebt werden. Sie sind erwachsen aus den Wunden, die uns geschlagen worden sind, behüten und beschützen uns auf ihre Art und Weise. In dem Augenblick, in dem wir sie betrachten, uns anfreunden und sie fragen, was ihre Bedürfnisse sind, verwandeln sie sich in Geschenke und Gaben, von denen wir gedacht haben, dass wir sie nicht besitzen oder die wir nur in anderen wahrgenommen haben. 

Wir sind sowohl Licht als auch Schatten und das Dazwischen. Das ist jener Teil von uns, der einfach ist, voller Ruhe und Frieden, der Teil der nicht blind um sich schlägt oder auf jeden Einfluss von außen reagieren muss. 

Schatten zerstören und verschlingen uns nicht. Sie führen uns tief in uns selbst, wo die Samen aus Licht verborgen sind, die wir in uns tragen.

​Wenn wir sowohl unser Licht als auch unsere Schatten umarmen und annehmen, finden wir unser Gleichgewicht:

​Wir öffnen unsere Herzen ohne Bedingung jenen, die dem Ruf unserer Seele mit ebenso offenen Herzen antworten, oder setzen feste Grenzen, werden zu den Hütern und Toren in unsere Welt, durch die jene, die Lügen auf der Zunge tragen, Schmeicheleien nutzen oder mit Gewalt einzudringen suchen, nicht mehr vorbeikommen. Ihnen ist der Zutritt in unser Sanktuarium, unser Herz, nunmehr verwehrt. 


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Der Abgrund

3/25/2025

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Während einer Zeit, in der es sich so anfühlte, als würde mir der Boden unter den Füßen sofort wieder weggezogen werden, sobald ich so etwas wie Sicherheit verspürte, reiste ich viel in die Anderswelt. Es war, als würde ich eines der großen Arkana im Tarot, den Turm, immer wieder durchleben.

Der Turm im Tarot hat viele Bedeutungen. Eine davon ist, dass einstürzen muss, was auf unsicherem Grund gebaut worden ist, damit aus den Erfahrungen, die man gesammelt hat, etwas entstehen kann, das so solide ist, dass die Grundfesten nicht mehr zum Einsturz gebracht werden können.

Meistens wanderte ich an einer Schlucht entlang, die in einen bodenlosen Abgrund führte, und fand mich immer wieder dabei, wie ich in die Schwärze hinabstarrte. Eines Tages war meine Verzweiflung so groß geworden, dass ich mich in den Abgrund stürzte.

Sofort ergriff mich einer meiner spirituellen Mentoren aus der Zeit von hinten, riss mich aus der Schlucht und warf mich gegen einen der umliegenden Felsen. Ketten wuchsen aus dem Felsen heraus und hielten mich fest. Mein Mentor setzte sich vor mich hin und sagte einfach: „Nein.“

​Ich starrte ihn an und erwiderte nichts. Nach einer Weile bemerkte ich, dass die Ketten lose waren und ich sie jederzeit einfach abstreifen konnte, wenn ich wollte. Tag und Nacht zogen vorbei, während mein Mentor und ich uns gegenübersaßen. Irgendwann streifte ich die Ketten ab, erhob mich, blickte meinen Lehrer noch einmal an und kehrte in das Hier und Jetzt zurück.
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"The Rose Blooming Again", schwarze Pastellkreide und goldener Buntstift, Kristin Raphaela Otti (2024, Café de L'Europe, Wien)
Als meine Welt wieder in ihren Grundfesten erschüttert worden war, eilte ich in der Anderswelt abermals auf den Abgrund zu. Mein Mentor erschien aus dem Nichts und stellte sich mir in den Weg. „Nein.“

Ich wich zurück und ließ mich gegen den Felsen sinken, an den ich auf meiner letzten Reise gebunden worden war. Mein Mentor nahm mir gegenüber Platz und blickte mich ruhig an. Meine Emotionen verwandelten sich in einen Gewittersturm und ich durchlebte meine Erinnerungen immer und immer wieder.

Dann beruhigte ich mich langsam und begriff, dass ich durch meine eigenen Gedanken gebunden gewesen war. In dem Augenblick, in dem ich das begriffen hatte, war ich frei. Ich konnte sie gehen lassen, wenn ich wollte und musste mich nicht an ihnen festkrallen.

Mein Lehrer, der ein Wesen aus der Anderswelt war und an dem Punkt meiner Zeit nicht auf unserer Ebene inkarniert gewesen war, nickte mir zu, erhob sich und wanderte davon.

Dann wurde ich abermals in meine Schatten geworfen und ein drittes Mal eilte ich auf den Abgrund zu. Dieses Mal war niemand dort, um mich aufzuhalten, und als ich mich hinunterstürzte, umfing mich absolute Finsternis.

Ich stürzte in meinen Schmerz und meine Erinnerungen verschlangen mich. Irgendwann schlug ich auf dem Grund des Abgrundes auf und blieb liegen. Ungefähr eine halbe Sekunde lang. Dann entfuhr mir ein „Das ist langweilig.“.

Das waren meine genauen Worte.

Das Wiederkäuen meiner eigenen Erinnerungen und der Schmerzen, die andere und ich mir selbst zugefügt hatten, hatte begonnen mich zu langweilen. Es führte zu nichts.

Ich stand auf und klopfte mir den Staub von der Kleidung. Es war stockfinster. Dann hörte ich in der Ferne jemanden weinen. 

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"White Rose", weiße Pastellkreide, Kristin Raphaela Otti (2023)
Ich war verwirrt. „Wie könnte ich einfach fortgehen und so tun, als wäre ich taub, wenn ich den Ruf eines anderen Herzens höre, das Schmerz erdulden muss? Es spielt keine Rolle, in welchem Abgrund ich mich befinde, was ich selbst in diesem Augenblick durchlebe oder welche Dunkelheit mich umfangen und geblendet hat. Ich folge dem Ruf der Herzen um mich herum und tue, was ich tun kann, um ihnen dabei zu helfen, zu heilen.“

Anstatt mir einen Weg aus dem Abgrund zu suchen, folgte ich dem Weinen. ​

​Es fühlte sich so an, als würde unter jedem meiner Schritte etwas zerbrechen. Es knackte und knisterte. Ich schritt definitiv nicht über Gras.

Nach einer Weile sah ich in der Ferne ein schwaches Leuchten und hielt weiter darauf zu. Ich gelangte zu einem alten Mann, der nur noch trockene Haut und Knochen war. Er saß auf einem zerbrochenen Thron auf einem Hügel aus Totenschädeln und Knochen. Ich sah an mir herab. Ich war die ganze Zeit über verwitterte Knochen marschiert, die unter meinem Gewicht zerbrochen waren.

Der alte Mann sah müde und verbraucht aus. Die königliche Robe, die er einst getragen hatte, bestand nur noch aus zerrissenen Fetzen und seine Krone saß schief und verbogen auf seinem Haupt. Ich spürte in seine Energie hinein, hörte dem Gesang seines Herzens zu und sah ihn, wie er wirklich war.

Er war kein dunkles Wesen, das im Abgrund darauf wartete, andere zu verschlingen, die sich dorthin verirrt hatten. Er hatte seinem Volke unermüdlich gedient, obwohl ihm alles genommen und alles, was er aufgebaut hatte, von jenen, die mit Neid seinem Tun gefolgt waren, in Asche verwandelt worden war. Er hatte alles gegeben und nun saß er allein, verlassen und vergessen im Abgrund, in absoluter Finsternis. Und trotz allem ging von seinem Herzen immer noch ein schwacher Lichtschimmer aus.

Ich fragte: „Darf ich Euch heilen?“ Er sah mich an. „Warum?“ „Weil ich Euren Schmerz lindern und Euch beim Heilen helfen möchte.“

Er blickte mir lange in die Augen, dann nickte er langsam. Licht floss aus meinen Händen in seinen Körper und begann seine Knochen, sein Fleisch und sein Innerstes zu heilen. Das Licht begann sich zu verbreiten und wo es auf die verwitterten Knochen jener fiel, denen er einst gedient hatte, heilten auch sie.

​Die Finsternis wich dem Licht und der Abgrund war nicht länger ein Ort der Verzweiflung und der Furcht. Wir standen nicht länger auf zerbrochenen Knochen, sondern eine blühende Blumenwiese war aus ihnen erwachsen.

Der alte König sah sich um und fragte abermals: „Warum?“

Ich war verwirrt. „Wie könnte ich einfach fortgehen und so tun, als wäre ich taub, wenn ich den Ruf eines anderen Herzens höre, das Schmerz erdulden muss? Es spielt keine Rolle, in welchem Abgrund ich mich befinde, was ich selbst in diesem Augenblick durchlebe oder welche Dunkelheit mich umfangen und geblendet hat. Ich folge dem Ruf der Herzen um mich herum und tue, was ich tun kann, um ihnen dabei zu helfen, zu heilen.“


Ich nickte ihm zu und schickte mich an, zu gehen. Er erhob sich von seinem Thron und rief mich zurück. Er lächelte. Eine weiße Rose erschien in seinen Händen. „Das ist eine Gabe für dich.“ Er gab mir die Rose und sie begann in meinem Herzen Wurzeln zu schlagen.
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Alter Kauz und Grünschnabel

3/21/2025

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Als ich wieder einmal in die Native-American-Siedlung in der Anderswelt gerufen worden war, wo sich der Rat der Schamanen trifft, nahmen mich ein Schamane, den ich in dieser Lebenszeit kenne und sehr liebe, und der Älteste auf die Seite, um eine persönliche Angelegenheit zu besprechen.

Als der Witzbold, der ich bin, hatte ich nach der ersten Begegnung mit dem Ältesten vor langer Zeit, darüber nachgedacht, wie sehr ich mich als Grünschnabel – im Englischen „spring chicken“ - gefühlt hatte, und mein Kopf hatte ihn scherzhaft zum „alten Kauz“ gemacht - „old codger“ im Englischen -, als ich dann vor ein paar Tagen darüber geschrieben hatte.

Als wir unser Gespräch beendet hatten, sagte der Älteste feierlich: „Der Alte Kauz hat gesprochen.“

Ich erstarrte und sah ihn aus aufgerissenen Augen an. Ich wusste, dass meine Gedanken die meinen waren, aber ich sprach oft laut zum Großen Einen, wenn ich betete und über die Dinge sprach, die mich beschäftigten, die ich gelernt oder die mir auf Reisen über mich selbst gezeigt worden waren.

Hatte ich etwa laut darüber gesprochen, wie ich mich gefühlt hatte, nachdem ich ihm begegnet und seines Alters und seiner Erfahrung gewahr geworden war?


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"Old Codger and Spring Chicken", weiße Pastellkreide", Kristin Raphaela Otti (2023, eine Illustration für eine Geschichte)
Ich erstarrte und sah ihn aus aufgerissenen Augen an. Ich wusste, dass meine Gedanken die meinen waren, aber ich sprach oft laut zum Großen Einen, wenn ich betete und über die Dinge sprach, die mich beschäftigten.

​Ich wusste, dass ich lange über unser Treffen nachgedacht hatte und es im Kopf durchgegangen war. Ich hatte die beiden Ausdrücke benutzt, nicht negativ, sondern einfach, um meine Gedanken aufzulockern. Das war typisch ich. Aber typisch für mich war auch, dass ich mich danach sofort selbst scharf für meine Respektlosigkeit zurechtgewiesen und begonnen hatte, mir Gedanken und Sorgen darüber zu machen.

Der Älteste lächelte mich an und in ihm und seinem Herzen war nichts außer Liebe zu spüren. Er zwinkerte mir zu und sagte: „Es besteht kein Grund zur Sorge, Grünschnabel.“
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Das Geschenk der Feder

3/18/2025

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Eines der Instrumente, das ich während unserer Heilzeremonien spiele, ist die Native American Flute. Die Lieder, die ich spiele, sind niemals gleich. Ich spiele das Lied, dass ich im Herzen des Menschen vernehme, der mir gegenübersteht. Wenn die Heilzeremonie vorüber ist, bringt Schwester Wind das alte Lied zum Großen Einen und das Herz beginnt ein neues Lied anzustimmen und zu singen. Das alte darf mit Schwester Wind gehen und macht Platz für das neue. Ich erinnere mich nur dann an die Lieder, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt noch etwas zu sehen oder zu tun gibt.

Als ich noch in Wien lebte, spielte ich abends sehr oft Flöte. Eines Abends begann mein Herz mit der Melodie zu singen, die ich gerade spielte und ich wurde zu einer Reise in die Anderswelt gerufen. Sie begann mit einer Erinnerung an ein früheres Leben in Nordamerika. Dort hatte ich viele Leben verbracht. In dem Leben, das mir wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, war ich Soldat und Kommandant eines Forts gewesen. Ich hatte mich davor bereits an Teile aus dieser Lebenszeit erinnert.

Ich gerade von einem Treffen mit anderen Kommandanten in mein Fort zurückgekehrt. Das Treffen hatte länger Zeit in Anspruch genommen, als geplant. Nach meiner Ankunft wurde ich darüber unterrichtet, dass eine Gruppe von Native Americans aufgegriffen und in Haft genommen worden war. Als ich nach dem Grund fragte, konnte mir der Soldat, der mir Bericht erstattete, keinen nennen.

Ich ging zu den Barracken, wo die Gefangenen untergebracht worden waren, um mir selbst ein Bild zu machen. Was ich sah, brachte mich zur Weißglut. Ich sah Stammesälteste und Kinder, sie hatten weder Wasser noch Nahrung erhalten und einige von ihnen waren krank.

Dann bemerkte ich ein junges Mädchen und als Begreifen darüber einsetzte, was die Männer ihm angetan hatten, kniete ich neben ihm nieder und gab ihm Heilung. Es war keine bewusste Handlung. In dem Leben hatte ich vergessen, dass ich Heiler war, da mir andere Aufgaben auf meinem Weg übertragen worden waren.

​Als ich aufsah, blickte ich direkt in die Augen eines alten Medizinmannes und Schamanen. Für mich fühlte es sich so an, als würde er mich kennen und erkennen, aber ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen.

Ich stand auf und befahl meinen Männern eisig, für Nahrung, Wasser und Decken zu sorgen und auch den Arzt kommen zu lassen. Die Tore der Barracken hatten offenzubleiben, denn es stand den Menschen frei, zu gehen, wann auch immer sie zu gehen wünschten. Sie hatten sich nichts zuschulden kommen lassen.

Ich machte mich auf die Suche nach den Soldaten, die dafür verantwortlich gewesen waren. Meine Befehle waren klar gewesen und sie hatten den militärischen Verhaltenskodex gebrochen. Den Menschen, deren Heimat das Land war, in das wir gekommen waren, war mit Respekt zu begegnen. Wir waren Soldaten und hatten Befehlen zu folgen und Pflichten zu erfüllen, aber diese beinhalteten zu schützen und zu verteidigen, kein sinnloses Morden.

Die verantwortlichen Männer waren gerade dabei, lautstark Karten zu spielen und zu trinken. Ich ließ sie vor das Kriegsgericht stellen.
​
Freunde der Soldaten, die ich der Gerichtsbarkeit zugeführt hatte, brachten meine Lebenszeit einige Monate später zu einem vorzeitigen Ende.
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Die Aufnahme entstand während der Dreharbeiten zu "Winterfire - Everyone can do something". (c) 2023 Johannes Milchram
An das alles hatte ich mich bereits zu einem früheren Zeitpunkt erinnert. Ich war davon ausgegangen, dass die Freigelassenen in ihre Siedlungen zurückgekehrt und sicher gewesen waren. Dem war nicht so.

Auf ihrem Heimweg waren ihre Leben von einer anderen Gruppe von Soldaten genommen worden. Jetzt sah ich sie im Schnee liegen und begriff, was geschehen war. Trauer erfüllte mich und ich begann zu weinen.

Ich wurde der Seele eines kleinen Mädchens gewahr, die zwischen den schneebedeckten Körpern umherwanderte. Als es mich sah, kam es auf mich zu und sprach: „Ich kann meinen Weg nach Hause nicht finden!“ Ich frage es, ob es mir gestatten würde, ihm zu helfen. Es nickte und ich begann eine andere Melodie zu spielen.

​Plötzlich erhoben sich auch die anderen Seelen, die an diesem Punkt der Zeit gefangen gewesen waren. 

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"White Owl", weiße Pastellkreide, Kristin Raphaela Otti (2023)
Er war der letzte aus dem Kreis. Ich hatte mich immer uralt gefühlt, aber als ich ihn betrachtete, kam ich mir wie eine neugeborene Seele vor. Er war alt. Älter, als jedes Wesen, das mir jemals begegnet war. Sein Gesicht war wettergegerbt und faltig und er strahlte nichts außer reine Liebe aus.

Ein Schamane erschien und zuerst dachte ich, dass er gekommen war, um das Mädchen nach Hause zu führen. Stattdessen kam er auf mich zu und legte mir die rechte Hand auf die linke Wange. Ich blinzelte meine Tränen fort und spielte weiter.
​

Mein Ruf galt den Geistführern und Schamanen der gefangenen Seelen. Nach und nach erschienen die Geistführer und Schamanen, grüßten ihre Brüder und Schwestern und begannen, die Seelen nach Hause zu führen und ins Licht zu begleiten.

Ich weinte stärker, aber hörte nicht auf, meine Flöte zu spielen. Der Schamane, der mir die Hand auf die Wange gelegt hatte, betrachtete mich ruhig. Dann, endlich, hatten alle Seelen ihren Weg nach Hause gefunden. Alle, bis auf eine. Das kleine Mädchen stand immer noch dort.


Ich war verwirrt und sah mich in der Nähe um, aber konnte keinen Geistführer sehen. Ich rief meinen Weiße-Eule-Aspekt und veränderte das Lied, das ich spielte. Mit meinen Eulenaugen sah ich in einem Wäldchen in der Ferne etwas schimmern.

Ich änderte die Melodie abermals und bat den Geistführer des kleinen Mädchens, zu ihm zu kommen. Er folgte meinem Ruf und ein wunderschöner Fuchs aus reinem Licht sprang auf die Kleine zu. Sie begann zu strahlen und sah mich an.

Ein schimmernder Kristall erschien in ihren Händen und sie bot ihn mir an. „Hier, der ist für dich! Jetzt kannst auch du deinen Weg nach Hause finden!“

Ich dankte ihr und nahm den Kristall aus ihren Händen entgegen. Ohne nachzudenken und ohne zu zögern machte ich mich größer und gab dem Kristall eine neue Heimat am Nachthimmel. „Das ist ein unglaublich wertvolles Geschenk, aber es ist nicht für mich allein. Das ist der Fuchsstern. Jetzt ist es jedem möglich, seinen Weg nach Hause zu finden.“

​Sie begann zu lächeln und fand ihren Weg nach Hause.
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"White Fox Stargazing", weiße Pastellkreide, Kristin Raphaela Otti (2025, Hotel Hecher, Wolfsberg, Kärnten)
Die Welt um mich herum veränderte sich mit einem Male und ich fand mich in einer Native American Siedlung wieder. Dort war ich schon oft gewesen und kannte sie mittlerweile sehr gut. An diesem Ort versammelt sich der Rat der Schamanen. Die Schamanen, die sich dort treffen, versammeln sich in ihrer reinen Lichtform. Einige von ihnen kenne ich, manche sind inkarniert und erfüllen auf der materiellen Ebene ihre Aufgaben, andere beobachten, träumen und unterrichten in der Anderswelt.

Ich saß im Fersensitz in der Mitte ihres Ratskreises. Nicht, weil ich dazu aufgefordert worden war, sondern weil ich diese Sitzposition als angenehm empfand.

Die Schamanen lächelten mich an und einer nach dem anderen stand auf und kam auf mich zu. Sie blieben vor mir stehen, sahen mir in die Augen und gaben mir ihren Atem.

Dann erhob sich ein Schamane, den ich bei meinen Besuchen zuvor noch nicht gesehen hatte. Er war der letzte aus dem Kreis. Ich hatte mich immer uralt gefühlt, aber als ich ihn betrachtete, kam ich mir wie eine neugeborene Seele vor.

​Er war alt. Älter, als jedes Wesen, das mir jemals begegnet war. Sein Gesicht war wettergegerbt und faltig und er strahlte nichts außer reine Liebe aus. Er trug einen unglaublich schönen Federschmuck auf seinem Haupt.

Er lächelte mich an und löste eine Feder aus seinem Federschmuck. Er flocht sie in mein Haar ein. Dann legte er mir seine Hände auf die Wangen und sagte: „Du bist Schamane.“ Er küsste mich auf die Stirn und hauchte mir seinen Atem ein.
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Federn

3/14/2025

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Federn bergen viele Bedeutungen in sich. Federn zu finden, die für dich bestimmt sind, ist immer mit etwas Bedeutsamen verbunden. Als ich anfing, diesen Weg zu gehen, fand ich immer dann Federn, wenn ich etwas in meinem Lernen begriff oder begann, einen Teil meines Weges zu verstehen.

Ich lebte damals noch in Wien und Wien ist eine Stadt, die vielerlei Arten von Vögeln beheimatet. Große Krähen- und Rabenschwärme bewohnen die Dächer der Stadt und natürlich findet man überall Tauben. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass überall auch Federn zu finden sind.

Wenn ich aber eine Feder sah, wusste ich, ob sie tatsächlich für mich bestimmt war oder nicht. Zumeist waren es meine Krähenfreunde, die mir ihre Federn geschenkt haben. Abhängig davon, was ich gerade gelernt oder begriffen hatte, fand ich unterschiedliche Arten von Federn: Schwungfedern, Steuerfedern und Deckfedern, manchmal aber auch Daunenfedern oder Halbdunen.

Ich liebte es und eines Wintertages erzählte ich einem Arbeitskollegen davon, da er sich für just diese Dinge interessierte und selbst Tarotkarten legte. Er sah mich nur an und sagte: „Das ist Wien. Da findest du doch überall Federn. Das ist reiner Zufall.“ Ich erwiderte seinen Blick und entgegnete: „Nein, es gibt immer einen Grund, warum ich Federn finde. Ich weiß das einfach.“ Er schüttelte nur seinen Kopf.

Damals habe ich noch Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und an dem Tag erkrankte eine Kollegin. Ich wurde gebeten, ihre Stunde zu übernehmen und ihre Klasse zu unterrichten. Ihr Klassenraum war in einem Teil des Gebäudes, den ich nur dann aufsuchte, wenn ich darum gebeten worden war, einen Kollegen zu vertreten. Ich war vorher noch nie in ihrem Klassenzimmer gewesen.

Auf meinem Weg zur Klasse dachte ich über die Worte meines Arbeitskollegen nach und kam zu dem Schluss, dass sie keine Rolle spielten. Wenn ich fühlte, dass das Finden von Federn mit meinem Lernen zu tun hatte, so war es einfach so.
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"White Feather", weiße Pastellkreide, Kristin Raphaela Otti (2023)
Wenn etwas für dich bestimmt ist, findet es dich.

Ich betrat die Klasse, begrüßte meine Schüler, legte meine Bücher und Stifte auf den Lehrertisch und schob den Sessel zur Seite. Ich ziehe es vor, im Stehen zu unterrichten, da das Erklären von neuen Vokabeln und Phrasen bei mir in lustige schauspielerische Darstellungen und Geschichtenerzählen ausartet.
​
Ich liebe es, lebendige Geschichten zu erzählen und über die Jahre habe ich gelernt, dass eine Geschichte, die voller Leben ist, eine Geschichte ist, die sich Menschen gerne anhören. An diese Erzählungen erinnern sie sich am besten.

Als ich wieder an meinen Tisch herantrat, fiel mein Blick auf die winzigste Feder, die ich jemals gesehen hatte. Sie lag einfach unter dem Lehrertisch. Ich starrte sie an und begann zu lächeln.

Es war Winter und ein jeder trug daunengefüllte Jacken. Da wohl kaum Vögel durch das Schulgebäude geflogen waren, war das wohl die augenscheinlichste Erklärung dafür, wie die Feder unter den Tisch hatte geraten können.

Zumindest erklärte mein Kollege mir das so, als ich die Feder auf meinen Tisch im Büro legte und sie ihm zeigte. Ich sagte nichts darauf, sondern lächelte einfach weiter.


Ich habe die Feder immer noch.
​
Wenn etwas für dich bestimmt ist, findet es dich.
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    Kristin Raphaela Otti
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    Ich bin eine Schamanin und Geschichtenerzählerin aus dem Lavanttal in Kärnten. 

    Ich hüte das Winterfeuer in den Herzen und begleite jene, die sich auf eine Reise tief in ihr Innerstes aufmachen wollen. 

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